Nach Australiens Vorstoß zu Social-Media-Altersgrenzen flammt die Debatte auch in Deutschland auf. Politiker und Jugendschutz-Beauftragte fordern strengere Zugangsbeschränkungen und nehmen dabei auch Online-Spiele und Gaming-Plattformen ins Visier.
Australien als Auslöser neuer Debatten
Nachdem Australien erfolgreich strengere Altersregeln für soziale Netzwerke durchsetzen konnte, gewinnt das Thema auch hierzulande an politischer Dynamik.
Im Zentrum der Diskussion stehen längst nicht mehr nur klassische Plattformen wie TikTok oder Instagram. Zunehmend rücken auch Online-Games und Gaming-Ökosysteme in den Fokus möglicher Regulierungen.
Besonders deutlich formuliert dies Kerstin Claus, die als unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung tätig ist. Ihrer Ansicht nach dürfen interaktive Spieleplattformen bei Schutzmaßnahmen keinesfalls ausgespart bleiben.
Politischer Vorstoß: Klare Altersgrenzen gefordert
Konkrete Forderungen kommen unter anderem von Hendrik Wüst. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident plädiert, gegenüber dem Magazin Focus, für verbindliche Altersbeschränkungen bei sozialen Netzwerken.
Er argumentiert, Deutschland reguliere bereits Alkohol, Tabak und Glücksspiel konsequent zum Schutz Minderjähriger. Wenn Studien belegten, dass soziale Medien die psychische Gesundheit gefährden können, müsse der Staat vergleichbar handeln.
Damit rückt erstmals eine systematische Zugangskontrolle für digitale Plattformen in greifbare politische Nähe.
Gestuftes Modell mit Digital-Identität geplant
Innerhalb der SPD kursiert ein mehrstufiges Regulierungskonzept, das technische Altersnachweise einbeziehen soll.
Zentral wäre die Anbindung an die europäische digitale Identitätslösung, die sogenannte EUDI Wallet. Deren Deutschland-Start ist für Januar 2027 vorgesehen.
Diskutierte Eckpunkte:
-
Kein Social-Media-Zugang unter 14 Jahren
-
Zwischen 14 und 16 nur eingeschränkte Funktionen
-
Deaktivierte Endlos-Feeds und kindgerechte Voreinstellungen
-
Empfehlungs-Algorithmen ab 16 standardmäßig ausgeschaltet
Nutzer*innen müssten ihr Alter digital verifizieren, bevor sie Accounts anlegen können.
https://2playerz.de/p/ausweis-bitte-xbox-startet-neue-altersverifikation
Gaming-Plattformen im selben Risiko-Spektrum
Für Kerstin Claus greift eine reine Social-Media-Regulierung zu kurz.
Sie verweist auf Chat- und Kommunikationsfunktionen in Online-Spielen, die vergleichbare Interaktionsräume schaffen. Dadurch entstünden ähnliche Gefährdungslagen wie in sozialen Netzwerken - insbesondere für Minderjährige.
Ihre Forderung: Schutzkonzepte müssten plattformübergreifend greifen, um regulatorische Lücken zu vermeiden.
https://2playerz.de/p/roblox-verklagt-schwere-vorwurfe-wegen-kinderschutz-klage-in-den-usa
EU-Recht als regulatorische Grundlage
Rechtlicher Rahmen bleibt der Digital Services Act der Europäischen Union.
Dieser verpflichtet große Plattformbetreiber bereits heute, verhältnismäßige Maßnahmen zum Schutz von Minderjährigen umzusetzen.
Welche Instrumente konkret eingesetzt werden, liegt bislang jedoch weitgehend im Ermessen der Anbieter, was zu sehr unterschiedlichen Lösungen führt. Nationale Altersverifikationen könnten diese Spielräume künftig stärker vereinheitlichen.
Kommentare: 1
Einen Kommentar schreiben